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March 11, 2016

Gibt es in Europa zu viele ETFs?

by Detlef Glow.

Das Segment der börsennotierten Indexfonds (ETFs) wird von vielen Marktbeobachtern, insbesondere im Hinblick auf Privatinvestoren, als zu komplex beschrieben, da es aus ihrer Sicht eine zu große Anzahl von Produkten gibt. Ebenso wird bemängelt das ETFs immer komplexer werden, denn spätestens seit Einführung der sogenannten Smart-Beta-ETFs, gibt es Produkte, die nicht mehr zu 100% transparent sind.

Ich persönlich sehe dies jedoch anders. Zum einen verschärft die zum Teil hohe Anzahl gleichartiger Produkte, wie zum Beispiel bei ETFs auf den EuroStoxx 50 oder den S&P 500, den Wettbewerb zwischen den Anbietern. Dies hat zur Folge dass die Qualität bei der Indexnachbildung steigt und die Kosten, im Bezug auf die Managementgebühr, fallen. Zum anderen benötigen insbesondere professionelle Investoren eine große Auswahl von Produkten die verschiedene Indizes und Strategien abbilden, um ihre Marktmeinung möglichst genau umsetzen zu können.  Hierzu könnten die Anleger zwar theoretisch auch aktiv gemanagte Produkte nutzen, allerdings ist dies in der Praxis nicht ohne weiteres möglich.

Einige professionelle Investoren haben mir gesagt, dass die Anbieter aktiv gemanagter Fonds sie von kurzfristigen Anteilskäufen beziehungsweise –verkäufen abbringen wollen, da diese Transaktionen die Wertentwicklung der jeweiligen Fonds belasten können. Um ihre Position durchzusetzen, sollen einige Anbieter von aktiv gemanagten Produkten in der Vergangenheit sogar soweit gegangen sein, dass sie Vermögensverwaltern, die aus ihrer Sicht  übermäßig schnell oder viel in einem Fonds handeln, die Vertriebsvereinbarung kündigten, beziehungsweise dies zumindest androhten. Daher ist es aus meiner Sicht kein Wunder, dass immer mehr Vermögensverwalter ihre taktischen Entscheidungen insbesondere mit ETFs umsetzen.

Ein weiterer wichtiger Vorzug von ETFs ist die hohe Liquidität dieser Produkte. Dadurch können Investoren selbst innerhalb eines Handelstages große Positionen in einem Markt auf- beziehungsweise abbauen und von kurzfristigen Trends an den Kapitalmärkten profitieren. In diesem Zusammenhang ist es aus meiner Sicht vorteilhaft, dass die ETF-Gesellschaften eine Vielzahl von Produkten auf unterschiedlichste Märkte – auch exotische – anbieten. Des Weiteren können Vermögensverwalter ihre ETF-Positionen sehr leicht über entsprechende Short-Positionen oder Derivate absichern.

Hinzu kommt, dass börsennotierte Indexfonds, insgesamt betrachtet, sehr preiswerte Produkte sind. Dadurch können Investoren ihre Anlageentscheidungen nicht nur schnell, sondern, im Vergleich mit anderen Anlageprodukten, auch kostengünstig umsetzen.

Viele dieser Vorteile betreffen vor allem institutionelle Anleger. Denn Privatanleger bauen in der Regel keine riesigen Positionen in einem Markt oder Marktsegment auf. Aber die günstigen Kosten kommen auch ihnen zugute. Bei der Fondsauswahl sollten Privatanleger unbedingt darauf achten, dass ihnen die Funktionsweisen der einzelnen Produkte bekannt sind, um negative Überraschungen zu vermeiden.

Die Anbieter von börsengehandelten Indexfonds sollten meiner Ansicht nach weiterhin darauf achten, dass ihre neuen ETFs, insbesondere auch imBereich der sogenannten Smart-Beta-ETFs, nicht zu komplex werden, denn die Transparenz der Produkte wird auch zukünftig ein entscheidender Wettbewerbsfaktor sein.

Für den Inhalt der Kolumne ist allein der Verfasser verantwortlich. Der Inhalt gibt ausschließlich die Meinung des Autors wieder, nicht die von Thomson Reuters.

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